Popzoot.tv bietet Informationen rund um das Thema Musikvideos. Sobald neue interessante Videoclips im Internet auftauchen, werden sie von uns verlinkt und vorgestellt. Musikvideo...
popzoot: Rocco, was ist dein momentanes Lieblings-Musikvideo?
Rocco Clein: New Order. "60 Miles Per Hour". Die Band taucht nur
auf einem Tape auf, das ein Mann in einem Bärenkostüm einer Tramperin zeigt.
Fantastisch.
popzoot: Welche Musikvideos zählen für dich zu den Besten überhaupt? Welche
haben deiner Meinung nach die Welt verändert?
Rocco: Schwer zu sagen. Am Anfang standen natürlich die
Beatles, die mit "Strawberry Fields" und "Penny Lane" 1967 die ersten Clips
ablieferten, in denen die Band nicht einfach ihren Song spielt. Überhaupt
die Beatles! McCartney sagt ja immer, sie wären es gewesen, die das erfunden
haben, weil sie keine Lust mehr hatten in irgendwelchen TV-Studios live ihre
songs zu spielen.
Wichtig war sicherlich auch "Thriller" von Michael Jackson, weil es
so lang war und special effects in die Clipproduktion einführte. Leider
haben Oasis nie wirklich gute Clips gemacht, weil die ja wie wir wissen,
Musikvideos hassen. Eins, das die Welt irgendwie verändert haben könnte,
wäre sicherlich "Smells Like Teenspirit", weil es mit einem Schlag Grunge
den Menschen in die Fresse haute. Plötzlich gab es wieder billige
Converse-Turnschuhe zu kaufen, und zumindest zeitweise wussten die Menschen,
wer die Bad Brains sind - nur weil ein Cheerleader ein T-Shirt von denen
trug.
popzoot: Du bist Jahrgang 68. Kannst du dich noch an die ersten Musikvideos
erinnern, die du gesehen hast? Welche waren das, und wo bekam man sie
damals zu sehen?
Rocco: Ich glaube die ersten Clips liefen schon in Disco mit
Ilja Richter. Die wurden dann so angekündigt, die Band hätte keine Zeit
gehabt zu kommen, aber ein Video geschickt. Das war dann so was wie die
Wings, zumindest kann ich mich daran erinnern, "Mull Of Kintyre" oder so.
Später gab es dann Formel 1, da habe ich die erste Staffel mit Peter Illmann
und die zweite mit Ingolf Lück glaube ich KOMPLETT gesehen. Irgendwann gab
es dann Tele5, mit "richtigen" Videos. Dann gab es noch eine Sendunng mit
einem Schimpansen, an deren Namen ich mich nicht erinnere.
popzoot: Immer mehr Musikvideos sehen immer ähnlicher aus, und immer mehr
werden nur noch langweiliger. Gibt es diesen Trend in deinen Augen? Oder
gibt es doch noch genügend gute Clips, die in den Rotationen laufen?
Rocco: Schwere Frage. Mich langweilen jetzt auch die
flächigen, billigen Elektronik-Videos, die ich irgendwann noch verdammt
interessant und experimentell fand. Das ist - oder war - sowas wie ein
Trend. Dennoch glaube ich, dass es immer noch genügend verdammt gute Videos
auf Rotation zu sehen gibt, vor allem in Fast Forward.
popzoot: Wird es in Zeiten, in denen Plattenfirmen über stagnierende
Plattenverkäufe klagen, in Zukunft deiner Meinung nach immer schwieriger
für kleinere und unbekanntere Bands, Geld für Musikvideos zu bekommen?
Würde ein Sender wie Viva Zwei in einigen Jahren überhaupt noch genug
Musikvideos, die musikalisch eher in den Indie-Bereich fallen,
zugeliefert bekommen?
Rocco: Zur ersten Frage: das merkt man jetzt schon. Vor
allem kleinere Bands haben kein Geld für Musikvideos. Statt dessen
investieren die Plattenfirmen lieber Geld in Printwerbung in relavanten
Musikmagazinen. Zur zweiten Frage: schwer bis gar nicht zu beantworten. VIVA
ZWEI gibt es nicht mehr.
popzoot: Ich habe gelesen, du hast auch selbst schon ein Musikvideo gedreht,
das sogar auf Viva Zwei in der Rotation lief, nämlich das zu 'Black Fez'
von den Euroboys im Jahr 1999. Wie kam der Kontakt zustande? War das
Drehen eines Musikvideos Neuland für dich oder hast du darin schon
früher oder seitdem wieder Erfahrungen gesammelt?
Rocco: Ich habe insgesamt drei Musikvideos gedreht und oder
geschnitten. Das erste war Turbonegro mit "Are You Ready For Some Darkness",
was mir auch den Job einbrachte, den Film "The Road To Darkness" von
Turbonegro zu konzipieren und zu schneiden. Das führte dann zu "Black Fez"
der Euro Boys, das 2000 auch den norwegischen Grammy für das beste
Musikvideo bekam. Durch den direkten Kontakt zu den Bands und durch die
Wah2-Sendungen, die ich mit ihnen machte, bekam ich diese Jobs. Sehr
geholfen hat mir damals Oliver Brand, der mir als kongenialer Cutter zur
Seite stand. Seitdem hatte ich leider keine Zeit mehr, auch vorher habe ich
in diesem Bereich nicht gearbeitet.